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Zwei Löwen in Lichterfelde im Bezirk Steglitz-Zehlendorf  

 

Einige der Sehenswürdigkeiten unterwegs:
Bundesarchiv - Historistische Villen - Lilienthals Burgen - Museum - Amtsgericht - Schulen - Dorfanger - Schlosspark Lichterfelde

 

...zwei Löwen in Lichterfelde...nein, damit ist kein Zirkus gemeint. Sie werden überrascht sein. Es gab hier zwei Löwen, die beide aus Schleswig-Holstein stammten. Der eine war aus Bronze und stand auf Stein. Der andere war ein Mensch.      
Der Löwe aus Bronze wurde älter als der Mensch. Und obwohl er internationale Kreise zog und weit umhergezogen ist, kam er wieder heim, der auf dem Stein. Dem Menschen ging es anders. Er blieb hier. Eine Heckenrose wächst auf seinem Grab.

Die Rede ist von Johann Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde (*1822 in Neverstaven), dem visionären Stadtplaner und Unternehmer, der seit 1865 die Villenkolonie Lichterfelde aus den Angeln hub und vom "Flensburger Löwen" (*1862), der 1868 als Siegesobjekt auf den ersten der drei deutschen Einigungskriege (1864)  zuerst ins Berliner Zeughaus zog und sich 10 Jahre später von 1878 bis 1945 auf dem Gelände des heutigen Bundesarchivs ansiedelte.
(Der in Lichterfelde war das Original. In Wannsee-Heckeshorn befindet sich bis heute eine Nachbildung mit Detailveränderungen.)

Wer in Norddeutschland gelebt hat, kennt das hin und her um den "echten" Flensburger Löwen, auch 'Idstedt Löwe' genannt. Deutsch-Dänisch-Preussische Geschichte in Carstennscher Heimat und zu seinen Lebzeiten spielend. Krieg und Frieden, Sieg und Niederlage... was bleibt sind die Ornamente. Ornamente über Leidenschaft.
 

Carstenn scheiterte als Unternehmer am preussischen Staat/Kriegsministerium infolge des Verlaufs auf das Projekt "Königlich Preussische Hauptkadettenanstalt". Diese militärische Ausbildungsstätte wurde von 1873 - 1878 erbaut. Heute ist dort das Bundesarchiv untergebracht.
Carstenn hatte das Projekt mit der Landschenkung an den Staat begonnen. Bei der Grundsteinlegung desselben 1872 wurde er zwar ob seiner Verdienste zum 'von Carstenn-Lichterfelde' geadelt aber folgend von diesem beim schwierigen finanziellen und technischen Aus- und Aufbau "in die Zange" genommen. Während der Löwe auf Stein das Gelände der Hauptkadettenanstalt überblickte...

Der Löwe gilt als ambivalentes Wappentier. Er steht sowohl für Macht und Mut wie auch für Leidenschaft und Grausamkeit. Er ist im dänischen, schleswigschen und schleswig-holsteinischen Wappen geführt und Träger geschichtlicher Ereignisse dieser Regionen.

Carstenn ist wirtschaftlich durch das Projekt ruiniert. Er erhält vom Staat ab 1887 einen Ehrensold und eine einmalige Entschädigung aus seinen Prozessen mit dem Kriegsministerium. 1896 stirbt er.

Carstenn, der auch als 'Stadtgründer aus Leidenschaft' gilt, ist der Schöpfergeist anerkannt, ein "grünes Berlin" (das er in seiner Zeit nicht nur in Lichterfelde aus dem Boden "wachrief") als Gegenstück zum "steinernen Berlin" seiner Zeit geschaffen zu haben. Als Stadplaner hinterliess er Wegweisungen, wichtige Impulse für die Zukunft (Carstenn-Figur, später erwachsene Gartenstadtbewegung). Er öffnete Türen in Vorstellungswelten im Fach der Stadtplanung, durch die Nachkommende Neuland betraten:
Es wurden öffentliche Grünzüge in Berliner Wohngebieten eingeplant, eines der Carstennschen Details. Heute hört sich das selbstverständlich an. Damals galt es aber als ungewöhnlich "reformerisch". Seine Vorstellung von einer "grünen Stadt" behielt letztlich die Oberhand gegen die Vorstellung von der trostlosen, krank machenden "steinernen Stadt", den Mietskasernen seiner Zeit.

Der originale Flensburger Löwe auf Stein, der "Kollege" aus der gemeinsamen Heimat, kehrte 2011 an seinen ursprünglichen "Sitzplatz" in Flensburg zurück. Dort war es seine Aufgabe nur, Gräber im Krieg gefallener Soldaten der Gefechtsparteien zu bewachen. Dieser Löwe "lebt" weiter. Festgefügt auf Stein. Mit ihm seine Leidenschaft. Ob zu seinen Pfoten eine Rose wächst?

 

Die Führung informiert mit einem Überlick zur Lichterfelder Entwicklung im alten Kulturraum des Baches Bäke. Dabei labt sich das Auge auf diesem Spaziergang durch einen Teil Lichterfeldes an der Vielfalt historistischer Villen und ihrem Bauschmuck, eine neben der anderen aufgereiht. Was wir sehen entstammt den Jahren ab 1890 auf dem nach Carstennscher Vorstellung parzellierten und erschlossenen Grund.  Der  besondere 'Lichterfelder Geist' blinkt noch immer hier und da hervor...wo und wie und vieles mehr erfahren Sie vor Ort. Kommen Sie mit! Ich freue mich auf Sie! 

  

 

Buchungsnr.: ST04                                       Dauer 2 - 2,5 Stunden
Treffpunkt: Vor dem Bundesarchiv, Finckensteinallee
Anfahrt: Von S-Bhf Lichterfelde-Ost mit Bus X11 bis Bundesarchiv
Ende: Carstenn-Schlösschen, Hindenburgdamm, Nähe Buslinien M85, 285

 

Ihre Anfrage/Anmeldung bitte über Kontakt

 

                                                                                                 

 

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